Vollzeitbeschäftigte in Österreich können stolz auf ihre Rolle als Wohltäter im System sein. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass gleiche Leistungen für alle ermöglicht werden. Obwohl Vollzeitarbeit höhere Löhne bedeutet, bleibt faktisch weniger übrig. Bei einer 50%igen Erhöhung der Arbeitszeit für Teilzeitkräfte in Österreich steigt das Einkommen nur um 32,4%, was eine Differenz von 17,6% ausmacht. Im Vergleich dazu beträgt diese Differenz in Schweden, einem Vorreiter der sozialen Ausgewogenheit, lediglich 6,2%.
Warum besteht diese Ungerechtigkeit fort, trotz unserer langjährigen Forderungen? Das Argument des „Steuerentgangs“ überzeugt nicht. Die öffentliche Hand könnte dies leicht ausgleichen: Schluss mit der Anspruchspolitik und der großzügigen Geldverteilung im heimischen Förder- und Zuschusssystem.
In allen Branchen fehlen qualifizierte Fachkräfte. Dort, wo Stellen unbesetzt bleiben, erhöhen Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten, stocken Stunden auf und zeigen Fleiß, Motivation und Effizienz – das verdient Anerkennung und Lob. Diese Leistung muss belohnt werden. Ein steuerlicher Anreiz ist nötig, um Vollzeitarbeit und Überstunden attraktiver zu gestalten – damit sich Einsatz auch im Geldbeutel bemerkbar macht. Diskussionen über 32-Stunden-Wochen bei vollem Gehalt sind entbehrlich. Bei mehr Freizeit sind Teilzeitmodelle vorhanden. Bei finanziellen Anreizen wäre eine steuerliche Förderung für diejenigen, die mehr arbeiten möchten, effektiver und würde zu zufriedeneren Mitarbeitern führen. Nur so werden Einsatz und Leistungsbereitschaft tatsächlich belohnt – zwei Grundwerte unserer Wirtschaft.
Der Erholungsprozess nach der Pandemie verlief schneller als erwartet. Aktuell stottert der Konjunkturmotor. Die Inflation beeinträchtigt die Kaufkraft. Unser Hauptanliegen ist es, die Achterbahn der Hiobsbotschaften zu bremsen. Daher ist es entscheidend, die Inflation im Kontext von „Leistung lohnt sich“ schnellstmöglich zu kontrollieren.