Infrastruktur – Helle Köpfe brauchen gute Verbindungen

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Die Steiermark verdankt den Aufschwung der letzten Jahrzehnte, dass sich ihre geografische Position vom Rand in die Mitte Europas verlagert hat.

Eine Region wie die Steiermark – ohne nennenswerte Rohstoffe aber, wie die Rekord-F&E-Quote beweist, mit vielen hellen Köpfen – ist abhängig von seiner Vernetzung. Daher steht die Wirtschaftspolitik vor der permanenten  Herausforderung, auch die Verkehrsinfrastruktur modernisieren und adaptieren zu müssen. Denn Stillstand bedeutet auch diesbezüglich Rückschritt und die Verkehrsinfrastruktur ist ein maßgeblicher Faktor für die Wettbewerbsposition.

Es ist bitter, dass Österreich seit Jahren bei wichtigen globalen Standortrankings zurückfällt. Trotz punktueller Erfolge, wie die Investitionen der Voestalpine oder bei AMS-Osram sinkt damit die Attraktivität des Standorts für internationale Großinvestoren. Dabei hat sich der produzierende Sektor seit unserem EU-Beitritt im Jahr 1995 bestens entwickelt. Während andere EU-Staaten ihre Industrien an Schwellenländer verloren haben, weil sie ihre Wettbewerbsposition vernachlässigt hatten, ist der heimische Industrieanteil und damit der Wohlstand gestiegen.

Die Kohralmbahn als „Gamechanger“

Trotz der Blockaden der Verkehrsministerin bei vielen essentiellen Straßenbauprojekten tut sich zumindest beim Bahnausbau Positives. Mit der Koralmbahn, die Ende nächsten Jahres in Vollbetrieb geht, verkürzt sich die Fahrtstrecke von Graz nach Klagenfurt auf 45 Minuten. Damit entsteht mit 1,1 Millionen Menschen und knapp 150.000 Unternehmen die zweitgrößte Wirtschaftsregion Österreichs und siebendgrößte im deutschen Sprachraum. Die Bahn wird Teil des Baltisch-Adriatischen-Korridors. Die Wirtschaftsforscher gehen auch für die Gemeinden rund um die neuen Koralmbahnhöfe zwischen Graz und Klagenfurt von zahlreichen positiven Standorteffekten aus.   Einziger Wermutstropfen ist der Schildbürgerstreich von Verkehrsministerin Leonore Gewessler, den für die südösterreichische aber auch slowenische Wirtschaft überaus wichtigen Grazer Flughafen aus ideologischen Gründen nicht an die Bahn anzubinden.

Aber die Adaptierung der Verkehrsinfrastruktur steht nun einmal im klassischen Spannungsfeld zwischen ökonomischer Notwendigkeit und ökologischer Verantwortung. Ein Flächenbundesland wie die Steiermark ist aber auch deshalb auf effiziente Straßen und Bahnverbindungen angewiesen, um seine peripheren Gebiete, an die Ballungsräume anzubinden, die Tourismusregionen zu erschließen und die Industriezentren innerhalb des Bundeslandes optimal miteinander zu vernetzen. Gut ausgebaute Verkehrswege sind essenziell für die Erreichbarkeit der Märkte, den Transport von Gütern, Pendler:innen aber auch von Tourist:innen und Besucher:innen.

Um den Spagat zwischen Fortschritt und Umweltschutz zu meistern ist ein ausgewogenes Vorgehen erforderlich. Von den Infrastrukturgegnern ist das Verständnis dafür einzufordern, dass die Milliarden für den Klimaschutz zuerst verdient werden müssen. Dass die Wirtschaft klimaneutral wachsen kann, beweist sie übrigens seit 20 Jahren.

Standpunkte

„Für die steirische Wirtschaft ist eine moderne und funktionierende Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar. Das gilt für die Unternehmen wie die Tausenden Pendlerinnen und Pendler gleichermaßen. So hat etwa das Cargo Center Graz hat eine wichtige Funktion als internationale Logistik-Drehscheibe und bei der Verlagerung der Gütertransporte von der Straße auf die Schiene. Dafür braucht es aber auch entsprechende Straßenanschlüsse.“

Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl

 

„Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist für unser Land von großer Bedeutung. Das beginnt bei der Schieneninfrastruktur wie dem Koralmbahn und des Semmeringbasistunnels, umfasst aber auch dringend notwendige Straßenverbindungen. Insbesondere der dreispurige Ausbau der A9 im Süden von Graz hat für die Steiermark eine hohe Priorität. Wir werden hier gegenüber der Verkehrsministerin nicht locker lassen und den Ausbau auch in den nächsten Regierungsverhandlungen auf Bundesebene vehement einfordern“

Landeshauptmann Christopher Drexler

 

„Die Steiermark benötigt eine Verkehrspolitik, die sowohl ökologische Aspekte als auch die wirtschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt. Eine starke Infrastruktur, die Innovation fördert und den regionalen Verkehr effizient gestaltet, ist unerlässlich. Ein ausgewogener Mix aus öffentlichem und privatem Verkehr, der sich flexibel an moderne Technologien anpasst, ist ideal. Allerdings sehen wir uns mit Regelungen konfrontiert, die oft zu einseitig auf Umweltaspekte fokussieren, ohne die ökonomischen Konsequenzen zu berücksichtigen.“

WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk

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