„Klimaschutz mit wirtschaftlicher Dynamik verbinden“

Christopher Drexler ist seit einem Jahr Landeshauptmann der Steiermark. Im Gespräch mit „Wir unternehmen“ konkretisiert er Pläne, die Steiermark als Wirtschaftsstandort zu stärken.

 

Herr Landeshauptmann, die Klimaziele 2030 sind sehr ambitioniert. Sind sie zu erreichen, ohne den steirischen Wirtschaftsstandort zu gefährden – nicht wenige befürchten ja eine Deindustrialisierung?

Ich halte solche Sorgen für weitgehend unbegründet. Wir betreiben ja keinen Klimaschutz mit einem ideologischen Mascherl, wo wir uns starr auf irgendwelche Prinzipien versteifen, sondern wir setzen auf Klimapolitik mit Hausverstand. Es ist unser Ziel, Klimaschutz und wirtschaftliche Dynamik zu verbinden, und daraus Vorteile für unseren Wirtschaftsstandort − Stichwort Green Jobs − zu erzielen.

 

Ein starker Wirtschaftraum braucht eine starke Infrastruktur. Was erwarten Sie sich vom neuen Wirtschaftsraum, der durch die Koralmbahn erschlossen wird?

Die Koralmbahn wird für einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung im Süden Österreichs sorgen und lässt tatsächlich einen komplett neuen Wirtschaftsraum entstehen. Wenn es künftig möglich ist, in Klagenfurt zu wohnen und in Graz zu arbeiten − oder umgekehrt −, dann eröffnet das völlig neue Potenziale, die es unbedingt zu nutzen gilt. Das heißt vor allem, dass die Koralmbahn nicht als Insellösung betrachtet werden darf, sondern wir auch rechtzeitig die richtigen Begleitmaßnahmen setzen werden müssen, um diese Bahnstrecke in die gesamte Infrastruktur optimal einzubetten.

 

Koralmbahn, Flughafen und A9: Das Land hat im grünen Infrastrukturministerium einiges zu verhandeln – wo stehen wir hinsichtlich der Haltestelle Flughafen und dem Ausbau der A9? Ist da das letzte Wort in Wien bereits gesprochen?

Wir werden bei diesen für die gesamte Steiermark so wichtigen Themen nicht lockerlassen. Aber nicht nur hier, sondern auch an anderen Orten müssen wir den Infrastrukturausbau vorantreiben, wenn ich etwa an die Phyrn-Schober-Achse oder den Bahnlückenschluss auf der Strecke Bruck–Graz–Maribor denke. Es geht um wichtige Zukunftsthemen für die Steiermark, die unbedingt angepackt werden müssen!

 

Die steirische Wirtschaft leidet unter einem massiven Fachkräftemangel. Wie ist er aus Ihrer Sicht zu beheben, und was kann die Landesregierung dazu beitragen?

Viele Unternehmer berichten mir von ihren Sorgen. Davon, dass sie keine Aufträge mehr annehmen, dass sie Investitionen absagen. Wir müssen hier gewohnte Pfade verlassen und uns etwa der Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland stärker annehmen.

 

Aber wie holen wir qualifizierte Migranten in die Steiermark?

Mit der Neupositionierung der Steirischen Tourismus und Standortmarketing GmbH setzen wir den Fokus nicht mehr nur darauf, die Grüne Mark Touristinnen und Touristen aus aller Welt schmackhaft zu machen, sondern uns auch viel stärker als attraktiver Wirtschafts-, Arbeits- und Forschungsstandort zu positionieren. Wir wollen die benötigten Arbeitskräfte gezielt ansprechen. Die Bewerbung, die Attraktivität allein, reicht aber nicht. So ist mit der Überarbeitung der Rot-Weiß-Rot-Karte zwar ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung gelungen, aber es ist noch viel zu tun! Denn der Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte − und ich betone: qualifiziert! − muss weiter deutlich erleichtert werden.

 

Sie gelten als Anhänger einer ÖVP-SPÖ-Koalition auch auf Bundesebene. Was entgegnen Sie einer nach links gerückten Babler-SPÖ mit Koalitionsbedingungen wie einer Vermögenssteuer oder der Forderung nach einer 32-Stunden-Woche?

Ich bin von der Gestaltungskraft bürgerlich-sozialdemokratischer Regierungen überzeugt. Die Steiermark kann man hier getrost als Best-Practice-Beispiel nennen. Wir haben eine Regierung, die nicht nur arbeitet, sondern zusammenarbeitet und viele wichtige Projekte für die Steirerinnen und Steirer umsetzt. Aus diesem Grund hoffe ich sehr, dass sich in der Bundes-SPÖ jene durchsetzen, die einer konstruktiven Zusammenarbeit und vernünftigen Konzepten den Vorrang gegenüber utopischen Träumereien geben.

Danke für das Gespräch!

 

BU: Landeshauptmann Christopher Drexler fordert, den Zuzug von qualifizierten Migranten in den heimischen Arbeitsmarkt weiter zu erleichtern. Geeignete Fachkräfte müssen gezielt im Ausland angesprochen werden.

 

Foto: Land Steiermark

 

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